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Ace Frehley: Origins Vol. 1 – zahnlos und mies

Review von Thorsten Wilms

KISS haben ihren Zenith überschritten, soviel ist sicher. Doch man sollte nicht den Fehler machen und alles, was die ehemals „heißeste Band der Welt“ einmal groß gemacht hat, ihrem Ex-Gitarristen Ace Frehley andichten. Im Gegenteil: Ace konnte nie singen, und sein geglücktes Songwriting abseits der Maskenrocker beschränkt sich auf ein großartiges Solo-Album von 1978 und eine Hand voll guter Songs auf seinen Frehley’s Comet Scheiben.

Auch wenn die aktuellen Veröffentlichungen des spacigen Gitarreros von Old-School-Kissern über den grünen Klee gelobt werden, halte ist die Euphorie daher eher für nostalgische Verklärung. „Anomaly“ und „Space Invader“ haben hörbare Momente, mehr nicht. Richtig unsäglich allerdings ist „Origins Vol. 1“ geraten, das Album, auf dem Frehley die Helden seiner wilden Jugend covert und sich dazu illustre Gäste ins Boot geholt hat.

Herausgekommen sind zahnlose Tracks mit dem Flair einer anonymen Karaoke-Einspielung, versehen mit schrecklich uninspirierten Jam-Soli und so manchen schauderhaft schiefen Tonlagen. Speziell die Neueinspielungen der KISS-Klassiker „Parasite“, „Cold Gin“ und „Rock and Roll Hell“ (letzter Song stammt vom „Creatures of the Night“-Album, an dem Ace eigentlich gar nicht mehr beteiligt war) sorgen für Kopfschütteln, sind sie doch offensichtlich weit entfernt von den großartigen Original-Versionen.

Auch Paul Stanley als Gastsänger kann beim Free-Song „Fire and Water“ wenig retten, denn auch seine Stimme liegt längst auf dem Friedhof. Zudem zerstört Frehley den ohnehin völlig belanglosen Song mit einem schon fast unverschämt miesen Solo.

Noch ein Wort zum Sound: Ja, es geht noch schlechter, als auf „Space Invader“. Übersteuert, krachig, einfach furchtbar. Fazit: Live ist Ace noch immer eine Partygranate, was zum Teil auch an Frontsau Richie Scarlet liegt. Auf Platte wird er mittlerweile ungenießbar. Auch wenn das wohl jeder Die-Hard-KISS-Anhänger außer mir anders sieht.

Ace Frehley: Origins Vol. 1
Steamhammer / SPV
April 2016
12 Tracks
Ace Frehley bei Facebook

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