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Sexting: Lässige Instantbefriedigung

Früher, als ich meine ersten digitalen Fotografien noch auf dem PC sammelte, sahen meine Galerien in etwa so aus: Partyschnappschüsse, Bilder unseres Familienhunds, Mama, Papa und Bruder strahlend im Garten, ich ungeschminkt und mit Hangover auf der Couch, Partyschnappschüsse, Hund, Partyschnappschüsse. Heute sind dies meine Galerien, die ich auf dem Smartphone bei mir trage: Selfies, Essen, Schwänze, mein Arsch, Selfies, Schwänze, Schwänze, Selfies. Diese enorme Schwanz-Ansammlung in fotografischer Form kommt nicht etwa von einem inneren Zwang, jeden Penis, der mir begegnet, für die Ewigkeit in Fotoform konservieren zu müssen. Sondern daher, dass ich immer wieder auf Männer treffe, die auf Sexting stehen.

Sexting – damit meinen wir findigen, Social-Media-affinen Selbstdarsteller das Versenden geil machender Messages. Das kann – wie in meinem Fall – das Bild eines stolz der Sonne entgegen gereckten Penisschwanzes sein, Aufnahmen hübscher Boobs, Muschis oder Popos. Oder aber Textnachrichten, in denen Gesprächsteilnehmer A Gesprächsteilnehmer B mitteilt, was er denn gerne Versautes mit ihm anstellen würde. Das alles – das Versenden ungezogener Bild- wie Textnachrichten – hat der Teufel „Sexting“ getauft, eine Kombination aus den Worten „Sex“ und „Texting“. Wer hätte das gedacht.

Prinzipiell eine gute Entwicklung. Wenn wir bedenken, dass sich die solventeren Exemplare unserer Ahnen in bescheuert aussehende Gummisuits schießen mussten, um eine Runde „Cyber-Sex“ zu absolvieren. Nach unseren Jugendjahren, in denen wir ein Maximum an Körperbeherrschung für etwas Chat-Sex bei MySpace aufwenden mussten (tippt mal mit der linken Hand eine Nachricht, während eure rechte Hand in der Hose steckt).

Mit Sexting ist alles anders, lässiger geworden. Ihr schießt in Ruhe Fotos von eurem Po (ich empfehle hierzu den Selfie-Timer), dem Schwanz oder den Brüsten, schreibt eine motivierende Message dazu und schickt alles dem Objekt eurer Begierde. Unkompliziert und schnell, so soll sie sein, die moderne Instant-Befriedigung. Doch der Schein trügt.

Sprechen wir zunächst über Fotos. Wir alle haben es schon mal getan – in der Hitze des WhatsApp Gefechts sexy Bilder von uns verschickt. Schließlich vertrauen wir dem Typen, der uns soeben so süß darum gebeten hat, wir schreiben ja schließlich schon seit gestern miteinander, im Facebook- und Instagram-Universum eine halbe Ewigkeit.

Glaubt mir: Vertrauen ist okay, Kontrolle immer besser. Achtet darauf, dass ihr auf den Fotos nicht zu erkennen seid. An euren Schamlippen wird euch nur euer Frauenarzt erkennen, doch die Tätowierung auf eurem Handrücken könnte euch verraten. Verschickt außerdem nie ein Sexbild, auf dem euer Gesicht zu erkennen ist. Besteht euer Sexting-Freund darauf, schießt ihn in den Wind.

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Nicht ganz so heikel sind Textnachrichten. Doch solltet ihr auch hierbei das Ruder nicht aus der Hand geben. Wir bestimmen, wohin und wie hart gerudert wird, und wenn wir keine Lust haben, eine detaillierte Onanier-Anleitung über WhatsApp rauszuhauen, dann ist das so. Punkt.

Kommen wir zu einer besonders delikaten Falle.

Eigentlich ist es wurscht, ob ihr per WhatsApp, Facebook Messenger oder Instagram Direct Message sextet. Achtet aber immer darauf, den richtigen Empfänger ausgewählt zu haben. Unschön, wenn Mama den Snapshot eurer Morgenlatte zu Gesicht bekommt. Oder ihr bei Instagram nicht die „Direct Message“ gewählt habt, sondern „Mit allen Abonnenten teilen“ gewählt habt und nun alle Follower eure Brüste kennen. Oder Arbeitskollege Uwe euch plötzlich immer so verschwörerisch zuzwinkert, da ihr ihm und nicht dem schönen Ulli versehentlich eine digitale Fotografie eurer gespreizten Arschbacken gesendet habt. Lasst euch also auch in der größten Geilheit Zeit mit dem Versenden.

Und: Sextet nur mit Leuten, die ihr kennt und denen ihr vertraut.

Fotos: Sarah Bleszynski / Sarahlikesprettygirls

 

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